Täter gab Hinweis zu Versteck
Polizei findet vermutlich lange gesuchtes Handy von Solingen-Attentäter

Mit einem Messer bewaffnet wollte ein Syrer auf dem Solinger Stadtfest Menschen töten. Als er nach der Tat festgenommen wird, finden Polizeibeamte ein Handy bei ihm. Sie sind überzeugt, dass der 27-Jährige ein weiteres Handy besitzt. Die Polizei erhofft sich nun entscheidende Hinweise auf die Tat.

Bei einer erneuten Suchaktion im Zusammenhang mit dem mutmaßlich islamistischen Anschlag von Solingen wurde am Abend ein Handy gefunden. Ob es sich dabei um das verschollene zweite Handy des geständigen Attentäters Issa al H. handelt, wird nun untersucht.  Ob auf dem verschollenen Gerät tatrelevante Daten gespeichert sind, bleibt ungewiss. 

Die Polizei hatte am frühen Abend eine neue Suchaktion an einer Flüchtlingsunterkunft in Solingen gestartet, in der der geständige Attentäter gelebt hatte. Zahlreiche Beamte, einige mit Schaufeln ausgerüstet, begaben sich auf die Suche. Ein Hund wurde ebenfalls eingesetzt.  Berichten zufolge  wurde etwa zwei Stunden nach Einsatzbeginn  Applaus gehört , bevor die Einsatzkräfte zurückzogen.

Diese Suche wurde initiiert, nachdem die Verteidiger des mittlerweile 27 Jahre alten Angeklagten im Prozess erklärt hatten, dass der Syrer einen Bereich auf einer Karte markieren wolle, in dem man das vermisste Handy möglicherweise finden könnte. Vor dieser Suche hatte es bereits umfangreiche Maßnahmen zur Auffindung des Mobiltelefons gegeben.

Bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlag in Solingen wurden am 23. August 2024 drei Menschen getötet und acht weitere verletzt.  Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.  Beim Prozessauftakt gestand Issa al H. die Tat, schwieg jedoch zu den Vorwürfen der IS-Mitgliedschaft.

Opfer berichten von Attacke

Im Laufe des Prozesses am Oberlandesgericht Düsseldorf berichteten mehrere Überlebende des Anschlags, wie sie seelisch und körperlich unter den Folgen der Messerattacke leiden. Sie waren als Gäste beim Stadtfest in Solingen anwesend, wo sich der Anschlag ereignete.

Ein 34-jähriger Iraner, der im Schulterbereich verletzt wurde, schilderte die psychischen Folgen der Geschehnisse: “Ich habe schlechte Träume,” erklärte er. Er sieht immer noch den Mann, der damals gestorben ist.  Er berichtete, dass er nur ein kurzes Handyvideo machen wollte, als er plötzlich angegriffen wurde. 

Ein 61-jähriger Lehrer, der ebenfalls schwere Verletzungen im Hals- und Schulterbereich erlitten hatte, teilte mit, dass ihm die Kraft im Arm fehle und er weiterhin Einschränkungen in der Beweglichkeit habe. Er bezweifelt, dass die Folgen seiner Verletzungen vollständig verschwindet.  Seine Erinnerungen an den Tatabend sind zunehmend verschwommen. 

Nach Aussagen eines 61-jährigen Industriekaufmanns rief der Täter vier- bis fünfmal “Allahu Akbar”. Er bemerkte den Stich nicht sofort und stellte erst später fest, dass er verletzt war. “Ich möchte nach vorne gucken”, sagte er, und beschrieb, dass er trotz der traumatischen Erlebnisse kleine Konzerte besucht hat, ohne Angst zu empfinden.

Ein 64-jähriger Marketingfachmann betonte: “Das hat mein Leben verändert.” Er beschrieb den Täter als einen „Derwisch“, der über den Platz tanzte.  Obwohl er körperlich unverletzt blieb , spürt er die seelischen Folgen und braucht längere Zeiten der Erholung. Er befindet sich in Therapie, um mit den Traumata umzugehen.

Die Erlebnisse der Überlebenden sind nicht nur persönliche Geschichten von Trauma, sondern spiegeln ein größeres gesellschaftliches Problem wider.  Die Folgen von Gewalt und Terror betreffen nicht nur die Opfer, sondern auch die Gemeinschaft als Ganzes.  Die Suche nach dem zweiten Handy des Täters könnte nicht nur zur Klärung des Falls beitragen, sondern auch den Opfern und ihren Angehörigen eine Art von Gerechtigkeit bieten.



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