
Eigentlich sprach alles gegen die Frankfurt Skyliners vor dem Duell bei den Telekom Baskets Bonn. Doch dann überraschte der von Ausfällen gebeutelte Aufsteiger alle. Und holte durch ein 77:70 (43:41) einen ganz wichtigen Sieg im Abstiegskampf der Easycredit Basketball Bundesliga.
Doch im Mittelpunkt stand ein Frankfurter, der gar nicht dabei war – Booker Coplin (27).
Der Ami ist wegen Doping-Verdachts suspendiert. Bei einer Trainingskontrolle am 27. November war in seiner A-Probe ein erhöhter Testosteron-Wert gefunden worden.
Coplin selbst beteuert seine Unschuld: „Ich nehme seit meiner Kindheit ein für mich medizinisch notwendiges Medikament, auf das ich den positiven Test zurückführe. Ich habe niemals wissentlich gedopt oder mir einen unlauteren Vorteil verschafft.“
Bis der Fall geklärt ist, bleibt der Guard suspendiert.
Trainer Denis Wucherer (51) erzählte vor dem Spiel bei Dyn, dass er und die Mannschaft vergangene Woche durch einen Polizei-Einsatz von dem Verdacht erfuhren: „Wir hatten Besuch im Training. Und zwar nicht nur einen Besuch, den man so mal hat, wenn irgendwelche Coaches mal vorbeikommen, sondern Kripo, Staatsanwalt – das ganze Programm. Und das war natürlich für uns alle ein großer Schock. Und der Schock, der steckt uns immer noch in den Knochen.“
Doping-Verdacht in der BBL: Polizei-Einsatz beim Training der Frankfurt Skyliners!
Denn Aufstiegs-Held Coplin ist im Kampf um den Klassenerhalt eine wichtige Stütze! „Mit Booker hat es so ein bisschen das Herz der Mannschaft jetzt erstmal erwischt“, sagte Wucherer im Dyn-Interview. „Er fehlt uns. Einer der Aufstiegs-Helden. Einer von denen, die wir mit hochgenommen haben, weil die einfach das verkörpern, wer wir sein wollen, wie wir auch spielen wollen. Und das ist jetzt zwei Tage her, aber er wird jetzt schon schmerzlich vermisst.“
Normal müssen Spieler vor der Saison anmelden, welche Medikamente sie regelmäßig einnehmen müssen. Ist das medizinisch notwendig, gibt es von der Nada Ausnahme-Genehmigungen. Ob die Meldung von Coplin oder den Skyliners vergessen wurde, wollte Wucherer nicht kommentieren. „Der Verein probiert jetzt alles, um genau das zusammen mit der Staatsanwaltschaft herauszufinden. Wie es dazu kommen kann. Und je nachdem, was dann die Schlüsse sind, bin ich mir sicher, dass der Verein das aufarbeiten wird.“
Zum Spiel.
Auch Bonn hatte unter der Woche mit dem Aus in der Champions League einen Rückschlag hinnehmen müssen. Dyn-Experte Patrick Femerling (49) sah aber die Frankfurter im Nachteil: „Das ist erstmal Schockstarre. Ich hoffe nicht, dass sich das jetzt auf das Spiel überträgt. Aber es ist natürlich schwierig, wenn so ein wichtiger Teil der Mannschaft plötzlich fehlt.“
Bitteres TV-Interview: Basketball-Boss veräppelt Social-Media-Star
Doch davon war nichts zu spüren. Nur mit einem etatmäßigen Point Guard erwischten die Skyliners den besseren Start, führten schnell mit 15:4 (4.). In der Auszeit von Bonns Trainer Roel Moors (46) wurde es laut. Das rüttelte vor allem einen wach: MVP-Kandidat Darius McGhee (25). Der kleinste Spieler der Liga (1,75 Meter) traf mal wieder die verrücktesten Dreier – und sorgte in der 13. Minute für die erste Bonner Führung (28:26).
Der als Entlastung für McGhee nachverpflichtete Rihards Lomazs (28) hatte dagegen noch Anpassungs-Schwierigkeiten. Weil der Lette seine schwangere Frau nicht mit der kranken ersten Tochter (war im Krankenhaus) allein in der Türkei lassen wollte, kam der Nationalspieler statt am Montag erst Mittwochabend in Bonn an. Donnerstag kümmerte er sich um alle Formalitäten, Freitag trainierte er das erste Mal mit den neuen Kollegen.
Erschreckend jedoch: Das gesamte Bonner Team war total verunsichert, defensiv flau und in der Offensive bis auf McGhee (24 Punkte) ohne Rhythmus. Nur Sam Griesel (24) stemmte sich gegen die Niederlage. Das reichte am Ende nicht.
Trainer Roel Moors bedient: „Das war heute eine inakzeptable Leistung. Wir sprechen immer über Mindset. Aber wenn ich sehe, wie wir das Spiel anfangen, gegen ein stark dezimiertes Team… Wir haben schon in der Vergangenheit gesehen, dass solche Spieler immer schwierig sind. Weil sie auf der anderen Seite mit weniger Druck als sonst spielen.“


