
Zu klein, mit zu vielen Spielern, die über ihren Leistungszenit – aber hoch bezahlt – sind. Zudem gab es erstmals seit dem Aufstieg 2016 deutliche Grüppchenbildungen. Auf der einen Seite die Arrivierten um Yussuf Poulsen (30), Kevin Kampl (34) und Co., die aber immer weniger Spielzeit bekommen. Auf der anderen Seite die jungen Spieler um Xavi Simons und Castello Lukeba (22), die sich wenig sagen lassen.
Nur 13 von 32 Profis sind fest eingeplant, bei fünf ist die Zukunft auch aufgrund von Klauseln offen, bis zu 14 könnten gehen.
All diese Probleme muss Marcel Schäfer lösen, der sagt: „Wir werden mehr verändern müssen, als wir vor der Saison gedacht hatten, weil wir zu oft haben vermissen lassen, was wir brauchen, um unseren Ambitionen gerecht zu werden.“
Marcel Schäfer (40) ist seit August Manager bei RB Leipzig. Er muss nun den verplanten Kader umbauen
Aber es gibt Hürden. Schäfer: „Das ist eine ordentliche Herausforderung – sportlich wie wirtschaftlich.“
Dass Simons oder Stürmer Benjamin Sesko verkauft werden (können), ist klar. Da RB aber über 100 Millionen Euro Ablöse einnehmen muss, können beide nicht verramscht werden. Das Duo soll zwischen 150 und 170 Mio. Euro bringen.
Auch bei Spielern wie David Raum (27/Ausstiegsklausel bei 50 Mio. Euro), Lukeba (90 Mio.) oder Loïs Openda (25/ohne Klausel), die zuletzt Wechselgedanken hatten, aber für die Zukunft eingeplant sind, wird RB nur bei Summen im Bereich der Ausstiegsklauseln oder über Marktwert schwach.
Bei anderen Profis müssen die Leipziger mehr investieren als Geduld. Da das Gehaltsbudget um bis zu 20 Prozent gesenkt werden soll und Kaderplätze für entwicklungsfähige Zugänge freigemacht werden müssen, stehen etliche Routiniers auf der Streichliste. Poulsen, Kampl, Peter Gulacsi (35), Willi Orban (32), Lukas Klostermann (28) und Amadou Haidara (27) werden es schwer haben, Spielpraxis zu bekommen, wenn RB auf den Positionen die Zukunft einkauft. Allerdings gilt bei ihnen wie bei den Leih-Rückkehrern Timo Werner (29/Tottenham) und André Silva (29/Bremen): Die Verträge laufen noch mindestens ein Jahr, die Gehälter sind so hoch, dass sie bei neuen Vereinen kaum dasselbe verdienen werden.

Oliver Glasner von Crystal Palace ist mit Cesc Fàbregas Favorit auf den Trainerjob in Leipzig
„Verträge gilt es zu respektieren. Dennoch werden wir sehr ehrliche Gespräche führen und unsere Gedankengänge erklären“, sagt Schäfer.
Wichtig bei diesen heiklen Personalien: Kein Spieler sollte in den Büchern Verluste schreiben. Möglich also, dass die Spieler für geringe Summen oder zum Nulltarif gehen dürfen, damit RB die Gehälter spart. Dass man Profis mit Abfindungen auszahlen muss, will Schäfer verhindern – ob dies gelingt, ist unwahrscheinlich.
Was den Trennungs-Poker noch verschärft: Spieler wie Werner oder Silva wollen zum Beispiel nicht in die finanzstarke arabische Welt. Und es ist auch nicht vorgesehen, dass Leipzigs Schwester-Klub in New York Spieler aufnimmt, weil das US-Team von Trainer Sandro Schwarz (46) auf junge Spieler setzen will.
Doch es geht nicht nur um Trennungen. Im Gegenzug soll eine neue Mannschaft aufgebaut werden, die nicht nur Titelpotenzial hat – sondern auch konstant so spielt. Jede Position soll doppelt besetzt werden. Dazu soll es Back-up-Spieler geben. Dafür stehen Ablösen im dreistelligen Millionen-Bereich bereit.
Auch für einen neuen Trainer kann Geld investiert werden. Für die beiden Top-Kandidaten, Oliver Glasner (50/ Crystal Palace) und Cesc Fàbregas (38/Como), sind Ablösen fällig.

