
Den Lizenz-Krimi rund um den HSV Hamburg aus der Daikin Handball-Bundesliga haben seine Fans noch in unguter Erinnerung.
Nach einem Schiedsgerichts-Termin am 30. Mai in einem Hotel am Flughafen Hannover wurde dem Nord-Klub im letzten Anlauf und der Auferlegung einer weiteren Bedingung (Zahlung einer Sicherheitsleistung) doch noch die Spielberechtigung für die Saison 2024/25 erteilt. Seit dem 16. Dezember sind die großen Probleme der Hamburger im Unternehmensregister nachlesbar.
Die Handball-Bilanz des Grauens
Der HSV Hamburg hat auf der zentralen Plattform für Unternehmensdaten seinen Jahresabschluss der Saison 2022/23 mit Verspätung veröffentlicht. Darin erscheinen erschreckende Zahlen.
Vom 1. Juli 2022 bis 30. Juni 2023 fuhren die Hamburger demnach einen Jahresfehlbetrag von 2.534.954,16 Euro ein. Der nicht gedeckte Fehlbetrag lag am 30. Juni 2023 bei 4.289.711,95, die Verbindlichkeiten bei 4.179.868,88 Euro.
Im Text-Anhang teilt der Bundesliga-Klub mehrere Sachverhalte mit. Zum Beispiel, dass es sich „um einen berichtigten Jahresabschluss“ handelt, „der ursprüngliche Jahresabschluss wurde am 01. November 2023 erstellt“.
Der erste Knallsatz: „Die Gesellschaft weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von € 4.289.711,95 aus. Sie ist damit zum Bilanzstichtag bilanziell überschuldet.“
Der zweite folgt direkt im Anschluss: „Die damalige Geschäftsführung ist zum Zeitpunkt der erstmaligen Jahresabschlussaufstellung am 01. November 2023 nicht vom Vorliegen einer insolvenzrechtlichen Überschuldung ausgegangen.“
Zur Erklärung: der ehemalige Geschäftsführer [–>Sebastian Frecke[–> war laut Jahresabschluss bis 24. September 2024 in der Verantwortung, am 7. Oktober 2024 startete der Arbeitsvertrag seines Nachfolgers [–>Christian Hüneburg[–>, der den Abschluss am 12. November 2024 zeichnete.
Weiter steht im Text-Anhang: „In der ersten Jahreshälfte des Geschäftsjahres 2023/2024 konnten der Gesellschaft über verschiedene Darlehensgeber Liquidität von TEUR 376 bereitgestellt werden.“
Auch in die offensichtlich unsichere Zukunft wird der Blick gerichtet: „Zum Geschäftsjahr 2023/2024 konnte bereits eine Steigerung der Umsatzerlöse um TEUR 1.1 ([–>1,1 Millionen Euro, Anm. der Redaktion)[–> verzeichnet werden. Diese reicht jedoch noch nicht aus, um eine langfristige positive Entwicklung sicherstellen zu können. Kostenseitig müssen notwendige Einsparungen vorgenommen werden.“
Zum Lizenz-Retter in höchster Not wurde im Frühsommer der Hamburger Unternehmer Philipp J. Müller, der seit Ende Mai auch im Aufsichtsrat des Hamburger Bundesligisten sitzt.
Er verliert die NervenHandballer trifft Gegner in den Magen
Über dessen finanzielles Engagement und zwei Finanzspritzen steht im Jahresabschluss: „In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2023/2024 konnte der Gesellschaft erfolgreich neue Liquidität in Höhe von TEUR 4.1 ([–>4,1 Millionen, Anm. der Redaktion[–>) zugeführt werden. Eine weitere Summe über TEUR 2.950 (2[–>,95 Millionen, Anm. der Redaktion[–>) befindet sich noch bei der Handball-Bundesliga in Verwahrung. Bei beiden Zahlungen handelt es sich um Fremddarlehen, für welche ein sog. qualifizierter Rangrücktritt gemäß § 39 Abs. 2 InsO erklärt wurde. Die aktuelle Rückzahlungsverpflichtung ist im Juli 2026 terminiert.“

