
Der 30:24-Sieg am vergangen Freitag beim VfL Gummersbach glättete die Wogen. Vorerst.
An der allgemeinen Unzufriedenheit beim THW Kiel ändert das nichts: Platz sieben und acht Minuspunkte nach elf Spielen – viel zu wenig für den Rekordmeister. Zum zweiten Mal in Folge droht man die Champions League (Plätze eins und zwei) zu verpassen.
Kapitän Domagoj Duvnjak (36) weiß: „Acht Minuspunkte. Das sind viel zu viele. Wir haben nicht die Konstanz. Das war auch in der letzten Saison unser Problem.“
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Die Bosse hoffen noch immer auf eine gute Saison. „Der nächste Meister wird mindestens acht oder sogar mehr Minuspunkte haben“, sagt Aufsichtsratschef Marc Weinstock (58) mit Blick aufs eigene Punktekonto. „Es ist noch nicht so, dass wir jetzt alle Ziele in die Tonne treten müssen.“
Der Kiel-Boss erklärt aber auch: „Was uns bewegt und unzufrieden macht, ist die Art und Weise, wie wir in Berlin (26:35; d. Red.) und gegen Flensburg (33:37) die zweite Hälfte gespielt haben. Das ist nicht schön, aber das ist für mich auch noch keine Krise.“

Weinstock betont, dass Trainer Filip Jicha (42) nicht zur Disposition steht. „Wir haben nach der letzten Saison wirklich alles analysiert, alles hinterfragt. Das galt wirklich für alles und jeden: für Trainer, für Geschäftsführer, auch für den Aufsichtsrat. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir richtig aufgestellt sind und so weitermachen“, sagt Weinstock.

THW-Trainer Filip Jicha steht bei den Kieler Boss derzeit nicht zur Diskussion
Dass der Branchen-Primus (14 Mio. Euro Etat) dennoch andere Ziele verfolgt, bestätigt auch der Boss. Sonst müsse der Gürtel enger gelocht werden.
Wie lange kann man es sich leisten, nicht die Champions League zu erreichen? Weinstock: „So lange, wie unsere Gesellschafter bereit sind, den Verlust wieder auszugleichen. Ein Jahr bekommt man das immer irgendwie hin. Und dann muss man natürlich an die Gesellschafter gehen und ihnen sagen: Leute, wir brauchen für das nächste Jahr mehr Kapital oder eine Sonderzuwendung.“
In Kiel sei die Bereitschaft, so etwas grundsätzlich zu tun, vorhanden, wie der THW-Boss betont. „So haben wir im vergangenen Geschäftsjahr eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Und wenn das länger dauert, müssen die Gesellschafter signalisieren, dass sie das auch ein zweites Jahr oder ein drittes Jahr mitmachen.“
An diesem Mittwoch präsentiert Weinstock dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres. „Wir haben eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um ein negatives Jahresergebnis auszugleichen. Das wird man erklären müssen. Aber das läuft bei uns zivilisiert. Wir können ja auch erklären, wo das Ergebnis herkommt.“
Der aktuellen Saison gibt Weinstock, der dem Klub seit 2019 vorsteht, eine Schulnote „irgendwo zwischen zwei und drei“. Viele Klubs wären damit zufrieden – nicht aber der erfolgsverwöhnte Rekordmeister.
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