
Bei der Handball-WM in Dänemark, Norwegen und Kroatien wird es ab heute so richtig ernst!
32 Teams waren in die WM gestartet, noch acht Nationen kämpfen jetzt in der K.o.-Runde um den Titel. Dabei braucht es für den Medaillen-Traum nur noch zwei Siege. Heute starten die Viertelfinal-Duelle. Deutschland spielt am Mittwoch gegen Portugal (20.30 Uhr, ARD und hier im Live-Ticker bei BILD).
Neben den Schwergewichten Dänemark und Frankreich sind Überraschungen wie Brasilien und Portugal unter den letzten Acht.
SPORT BILD stellt die Titel-Form-Tabelle der Viertelfinalisten auf.
Handball-Star völlig überrascht: DIESES Interview ist jetzt schon legendär
Platz 1: Dänemark
Der dreimalige Weltmeister und Olympiasieger von 2024 ist DER Titel-Favorit. Seit 34 Spielen haben die Dänen bei Weltmeisterschaften nicht verloren. Sechs Siege bei diesem Turnier. Die Statistiken belegen die Dänen-Dominanz: Der Co-Gastgeber erzielt pro Spiel die meisten Tore (37,5) UND kassiert die wenigsten Gegentore (23,83).
Auch in der Fair-Play-Wertung ist die dänische Auswahl Spitzenreiter – nur 1,5 Zeitstrafen pro Partie. Heißt: Die Dänen sind fast 60 Minuten mit sechs Feldspielern auf der Platte, kaum in Unterzahl. Der große Rückhalt: Torhüter Emil Nielsen (27/Barcelona). Er hat die meisten Paraden (82) und die höchste Prozentzahl abgewehrter Bälle (44 %) aller Keeper. Mit 12 Stars aus der Bundesliga wäre alles andere als der Titel eine Enttäuschung.

Dänemarks Mathias Gidsel (25/Füchse Berlin) ist Welthandballer des Jahres 2023 und führt die WM-Torschützenliste mit 49 Treffern an
Platz 2: Frankreich
Die Franzosen, Europameister 2024, haben genau wie Dänemark alle sechs WM-Spiele gewonnen, kassieren die zweitwenigsten Zeitstrafen (1,83). Nach dem Olympia-Aus gegen Deutschland möchte Trainer Guillaume Gille (47) wieder zuschlagen und das Double – EM & WM!
Wichtig: Die Top-Stars Dika Mem (27/Barcelona) und Elohim Prandi (26/Paris) sind nach ihren Schulter-Verletzungen pünktlich zum WM-Start fit geworden. Mem ist mit 36 Treffern Frankreichs bester Torschütze. Im Vergleich zu Dänemark könnte die Torhüter-Position ein Nachteil sein.
Platz 3: Deutschland
Die Klatsche gegen Dänemark (30:40) war die einzige Niederlage für die DHB-Auswahl. Ansonsten gab es für das Team von Bundestrainer Alfred Gíslason (65) fünf Siege. Und das trotz der wohl schwersten Vorrunden-Gruppe (Polen, Schweiz, Tschechien).
Im letzten Hauptrundenspiel gegen Tunesien konnten Julian Köster (24/Gummersbach), Kapitän Johannes Golla (27/Flensburg), Andreas Wolff (33/Kiel) und Renars Uscins (22/Hannover) geschont werden. Dafür haben andere Blut geleckt, wie Marko Grgic (21/Eisenach), mit 11 Toren bester DHB-Werfer. Bisher spielen wir eine ordentliche Defensive. Und auf unser Torhüter-Duo Wolff und David Späth (22/Rhein-Neckar Löwen) ist Verlass, beide sind in den Top-10 des Turniers.
Und: Hoffnungsträger Juri Knorr (24/Rhein-Neckar Löwen) kommt nach einem Infekt für das Viertelfinale zurück, flog am Montag von Hamburg nach Oslo, trainierte am Nachmittag bereits mit dem Team.

Juri Knorr (24) verpasste wegen eines Infekts die Hauptrundenspiele gegen Italien und Tunesien. Für das Viertelfinale ist er aber wieder fit
Platz 4: Kroatien
Kroatien kassierte erst eine Pleite (24:28 gegen Ägypten), hat mit Dominik Kuzmanovic (23/Gummersbach) den drittbesten Torwart. Im zweiten Gruppenspiel gegen Argentinien (33:18) hatte sich Kapitän Domagoj Duvnjak (36/Kiel) an der Wade verletzt, das Turnier schien für den Ex-Welthandballer gelaufen. Nur sechs Tage später feierte er gegen Island (32:26) sein Blitz-Comeback. Zusätzliche Motivation könnte Duvnjaks Karriereende in der Nationalmannschaft nach der WM sein.
Und: Trainer Dagur Sigurdsson (51) weiß, wie man Medaillen gewinnt. Bei der EM 2016 holte er mit Deutschland den EM-Titel, bei Olympia Bronze. Auch der Heim-Vorteil für das Viertel- und das mögliche Halbfinale in Zagreb könnte entscheidend sein.

Kroatien-Nationaltrainer Dagur Sigurdsson (51) war zwischen 2014 und 2017 DHB-Trainer
Platz 5: Portugal
Unser Viertelfinal-Gegner ist bei der WM noch ungeschlagen (fünf Siege, ein Unentschieden). In der Hauptrunde hat sich Portugal als Gruppensieger überraschend gegen die Top-Nationen – Co-Gastgeber Norwegen, Schweden, Spanien – durchgesetzt. Ein guter Mix aus Jung und Alt zeichnet die Portugiesen aus.
Die erste Viertelfinal-Teilnahme bei einer WM ist auch das Ergebnis guter Nachwuchs-Arbeit in den vergangenen Jahren. Bei den U21-Weltmeisterschaften 2021 und 2023 gab’s die Plätze vier beziehungsweise sechs. Bei den U21-Europameisterschaften 2022 und 2024 gewann Portugal jeweils Silber.
Besonderes Augenmerk gilt den Jung-Stars, den Brüdern Martim (23) und Francisco Costa (19).
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Platz 6: Brasilien
Brasilien zog in der Hauptrunde hinter Portugal erstmals in ein WM-Viertelfinale ein, gewann dabei alle drei Schlüsselspiele gegen die favorisierten Norweger, Schweden und Spanier. Die Südamerikaner überzeugen mit ganz viel Herz und diversen Deckungsvarianten, die viele Gegner vor Probleme stellen.
Herausragend: Torwart Mateus Martins Nascimento und Rückraumshooter Haniel Langaro, der in Europa spielt. Witzig: Rechtsaußen Rudolph Hackbarth kommt oft nur für die Siebenmeter auf die Platte, trifft vom Strich souverän (17 von 19).
Schon in den Vorbereitungsspielen der DHB-Auswahl Anfang Januar in Flensburg (32:25) und Hamburg (28:26) hat man gesehen, wie schwer es gegen die Brasilianer ist. Trotzdem dürfte Viertelfinal-Gegner Dänemark eine Nummer zu groß sein …

Brasiliens 7-Meter-Spezialist Rudolph Hackbarth (30) hat deutsche Vorfahren
Platz 7: Ägypten
Ägypten erntet die Früchte der guten Nachwuchs-Arbeit in den vergangenen Jahren. Schon bei Olympia scheiterte man nur knapp am Halbfinale, nachdem das Viertelfinale gegen Spanien erst in der Verlängerung verloren worden war.
Trainiert wird Ägypten vom Spanier Juan Carlos Pastor (56), der 2023 vom heutigen Melsungen-Trainer Roberto Garcia Parrondo übernommen hatte. Mittlerweile stehen einige Spieler bei europäischen Top-Klubs wie Paris, Veszprem oder Montpellier unter Vertrag, bringen so die nötige internationale Härte mit. Die Mischung stimmt, es dürfte aber gegen Frankreich nicht reichen.

Juan Carlos Pastor (56) holte als Trainer der spanischen Nationalmannschaft 2005 den WM-Titel
Platz 8: Ungarn
Ungarn hat bei der WM bisher vier Siege eingefahren, dazu ein Unentschieden und eine Niederlage. Das Team besteht aus einigen jungen Spielern, hat aber auch Erfahrung in den eigenen Reihen.
Kreisläufer und Abwehr-Chef Adrian Sipos (34/Melsungen) sorgt für die nötige Härte. Auch die Bundesliga-Stars Bence Imre (22/Kiel) und Zoran Ilic (23/HSV) sind trotz ihres jungen Alters bereits Leistungsträger. Beide gehören zum Team, das 2023 Vizeweltmeister mit der U21 wurde, nach dem 23:30 im Finale gegen Deutschland (u. a. mit Uscins, Fischer, Späth, Lichtlein). Ungarn ist bei großen Turnieren immer für eine Überraschung gut. Wird ’ne harte Nuss, die Kroatien fürs Halbfinale knacken muss.

Packt gerne hart zu! Adrian Sipos (34/l.) beim 29:23-Gruppensieg gegen Katar


