
Den gleichen Effekt hat der Stürmer auch in Borussias Kabine erzeugt. Kleindienst ist der mächtigste Gladbach-Star seit Stefan Effenberg (56)!
Als der Kult-Kicker aus Florenz 1994 zurückkehrte, zog auch er sofort die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Sein Wort war in der Kabine Gesetz, eine Saison später stieg er zum Kapitän auf. Legendär sein Tigerkopf, den er sich nach einer verlorenen „Wetten, dass …“-Wette in die Haare färben ließ.
Seitdem gab es zwar zahlreiche weitere starke Kabinen-Chefs wie Ex-Kapitän Lars Stindl (36) – allerdings keinen, der so schnell nach seinem Wechsel das gesamte Klub-Innenleben veränderte wie Kleindienst.
Seit Kleindienst, der vor der Saison für sieben Millionen Euro ohne Ausstiegsklausel aus Heidenheim kam, da ist, läuft es bei Borussia: Der Tiefpunkt der Klub-Entwicklung mit Platz 14 in der vergangenen Saison ist überwunden, das Graue-Maus-Image abgelegt. Jetzt kratzt Gladbach mit nur einem Punkt Rückstand sogar an der ersten Europa-Qualifikation seit fünf Jahren. Der Nationalstürmer selbst hebt die Mannschaft mit 14 Treffern und sieben Vorlagen in 23 Pflichtspielen sportlich auf ein neues Level.
Noch wichtiger ist aber sein Führungsstil. Kleindienst geht als Arbeiter im Sturm voran, verschaffte sich damit von der ersten Trainingsminute an Respekt und Ansehen. Das, was er sagt, wird sofort umgesetzt – dafür reicht manchmal auch nur ein Wort. Im Klub fühlen sich sogar andere Abteilungen von seinem positiven Auftreten angesteckt. Virkus: „Tim agiert authentisch, nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt klar seine Meinung und taktiert nicht. Das mögen die Leute, und damit hat er sich auch in der Mannschaftskabine Vertrauen verschafft.“
Entscheidend für seine Machtübernahme: Für die großen Platzhirsche der vergangenen Jahre war vor der laufenden Saison Schluss. Ohne Patrick Herrmann (34), Tony Jantschke (34) und vor allem Christoph Kramer (34) konnte sich die Teamchemie mit Anführer Kleindienst auf natürlichem Wege neu bilden. Neben ihm wuchsen auch Profis wie Torwart Moritz Nicolas (27) und Kassenwart Rocco Reitz (22) in die Mannschaftsachse hinein.
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Was Virkus mit dem Kleindienst-Transfer bereits plante und nun aufgeht: „Tim kommt von Klubs, wo die Arbeitskultur immer an erster Stelle stand. In Gent musste er um seinen Platz kämpfen, in Heidenheim hat er sich den Status als Führungsspieler selbst aufgebaut. Jeden Tag an seinen Schwächen zu arbeiten, widerstandsfähig und mutig zu sein, hart zu arbeiten – diese Einstellung lebt er in unserer Kabine vor.“
Typisches Kleindienst-Ritual: Im Kraftraum versucht er regelmäßig, einen Basketball rückwärts stehend aus großer Entfernung im Korb unterzubringen. Nur ein Beispiel dafür, wie er intern eine wichtige Entwicklung forciert hat: Seit dieser Saison messen sich die Spieler auch neben dem Platz regelmäßig, der Leistungsgedanke wächst.
Effenberg gewann mit Borussia 1995 direkt den DFB-Pokal. Die Qualifikation für Europa mit Kleindienst wäre für Gladbach mindestens genauso viel wert.
