
Jetzt kommt es erneut zum Duell der besten deutschen Mannschaften. Allerdings ist erstmals in der Geschichte Leverkusen der Favorit. Dafür hat Xabi Alonso (43) gesorgt. Nun wird erwartet, dass er seine Mannschaft in den beiden Spielen zum Sieg führt. Dies auf der höchsten Ebene des Vereinsfußballs zu schaffen – in der Champions League, in der der FC Bayern die viel größere Erfahrung hat – ist nach der Meisterschaft ohne Niederlage die größte Prüfung für Alonso.
Rolfes konfrontiert : „Ist das nicht eine Frechheit von Bayern?“
Der Spanier verlor als Trainer in sechs Duellen noch nie gegen Bayern – drei Siege, drei Unentschieden. In dieser Saison hat er den Rekordmeister schon aus dem Pokal gekegelt (1:0 in München). Zudem führten Leverkusener Heimsiege in den direkten Duellen der vergangenen beiden Jahre zum Aus der Ex-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (37) und Thomas Tuchel (51). Nagelsmann musste 2023 direkt nach der 1:2-Niederlage gehen. 2024 verkündeten der FC Bayern und Tuchel die Trennung zum Saisonende elf Tage nach dem 0:3.
Ihr Scheitern gegen Alonso wurde noch als Schwäche des FC Bayern gesehen. Mittlerweile ist klar: Alonso ist dem Rivalen mit seinen Stars um Florian Wirtz (21) überlegen. Sie finden in den großen Spielen die besseren Lösungen und gewinnen aus eigener Stärke. Der aktuelle Bayern-Trainer Vincent Kompany (38) gestand nach der Vorführung beim 0:0 in Leverkusen, dass Bayer seiner Elf das Spiel diktiert habe: „Wenn Leverkusen pressen will, können sie pressen. Wenn sie tief verteidigen wollen, können sie tief verteidigen.“ Bayern muss sich danach richten.
Das gilt nur für wenige Mannschaften in Europa. Leverkusen hat sich zum größten Angstgegner entwickelt, weil es für die Rheinländer nicht auf eine herausragende Tagesform ankommt, sondern nur darauf, die eigene Qualität als Mannschaft auf den Platz zu bringen. Sportchef Simon Rolfes (43) sagt: „Wir haben in den letzten Duellen gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind, die auf dem Niveau absolut konkurrenz- und wettbewerbsfähig ist. Das wollen wir auch im Achtelfinale zeigen.“

Florian Wirtz ist der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Champions League – sechs Treffer in dieser Saison. Er macht Leverkusen für Bayern unberechenbar
Dabei vertraut er vor allem auf die Ideen seines Trainers. Der setzte im Pokal auf Geschwindigkeit, um die Lücken in der Bayern-Abwehr zu nutzen. Zu Hause in der Liga ließ er hoch pressen und schnürte München 90 Minuten lang ein. Vergangene Saison ließ er Bayern mit einem fast identischen Kader wie in dieser Saison über die Außenpositionen überrennen. Versucht er es nun mit einem echten Mittelstürmer und Flanken? Alonso hat zwei Torjäger im Angebot: Schick und Victor Boniface (24).
Der Trainer hat dafür gesorgt, dass Leverkusen nicht nur Plan A und B hat. Sondern auch C, D und E. Seine Spieler „sind bereit“, wie er es gerne formuliert, jede Variante zu spielen. Er hat nun den Druck, dass ganz Europa erwartet, dass es ihm gelingt.
Alonso ist der begehrteste Trainer bei den Klubs des obersten Regals. Bei Real Madrid ist er der Favorit auf die Nachfolge von Carlo Ancelotti (65), dessen Vertrag bis 2026 gilt. Auch bei Manchester City wird er wieder gehandelt, sollte Pep Guardiola (54) nach der Krisensaison hinwerfen, statt den Neuaufbau zu gestalten.

Trainer Carlo Ancelotti steht bis 2026 bei Real unter Vertrag. Alonso soll sein Nachfolger werden
Nur: Alonso scheint darauf (noch) keine Lust zu haben. Er geht darin auf, sich ausschließlich auf Fußball konzentrieren zu können. Einzelne Spieler besser zu machen, die Mannschaft immer wieder auf das nächste Level zu heben, wie es jetzt das Erreichen des Viertelfinals der Champions League wäre. Er tüftelt lieber an der Taktik, als sich mit Vereinspolitik und Glamour zu beschäftigen. In Leverkusen geht das – in Madrid und Manchester nicht mehr.
Alonso, dessen Vertrag bis 2026 gilt, sagt es so: „Die Stabilität und die Konstanz, das tägliche Arbeiten und die Routinen, sich nicht um andere Dinge kümmern zu müssen, sondern sich auf den Fußball konzentrieren zu können, sind mir sehr wichtig. Solange ich das genießen kann und nicht wegen anderer Dinge kämpfen muss, bin ich glücklich und froh, das weiter tun zu können.“ In Leverkusen spürt er nicht den Druck, das nächste Spiel gewinnen zu müssen, um eine Zukunft zu haben. Er hat das Vertrauen aller, die Zukunft zu sein.
Das macht ihn stark – und so gefährlich für Bayern.


