
Der Artikel „Schiebt Bayern Dasler ab?“ ist am 24. Februar 2005 bei BILD entstanden.
Gestern trainierte er wieder. Doch gespielt hat Sebastian Deisler (25) gegen Arsenal nicht. Er saß mit Freundin Eunice auf der Tribüne, warm eingepackt in eine rote Wolldecke.
Kurzfristig hatte Deisler abgesagt: „Ich hab’ einen Pferdekuss im Oberschenkel.“ Das zweite Mal allein in der Rückserie, dass er ausfiel. Kommt er bei Bayern nicht mehr richtig auf die Beine?
„Er sollte vielleicht überlegen, ob ihn ein Klub-Wechsel nicht weiterbringt“, sagt Präsident Franz Beckenbauer. „So hat es keinen Sinn, wenn er nur sporadisch spielt. Dann ist es besser, er geht woanders hin.“
Schiebt Bayern Deisler ab?
Deisler könnte auch abgeschoben werden. Bayern-Vorstand Kalle Rummenigge: „Wir müssen versuchen, ihn zum Spielen zu bringen. Sollte uns das nicht gelingen, müssen wir uns Alternativen überlegen.“
Gespielt hat Deisler bei Bayern wenig. Seit er im Juli 2002 von Hertha BSC für 9,2 Millionen Euro Ablöse nach München kam, hat er nur 30 Bundesliga-Spiele (4 Tore) und 4 Spiele in der Champions League gemacht. Selten von Beginn an. Immer wieder bremsten ihn physische (u.a. Kreuzbandriss) und psychische Probleme (Depressionen).
Die dunklen Zeiten scheinen überwunden. Der Konkurrenzdruck im Bayern-Mittelfeld ist aber eher noch größer geworden. Klar ist: Für sein Ziel „WM 2006“ muss Deisler Stammspieler sein, bei welchem Klub auch immer.
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„Sebastian ist hochtalentiert und jederzeit willkommen“, würde ihn Gladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter sofort zurückholen. Bei Borussia (1995 bis ’99) war Deisler zum „Basti fantasti“ geworden. Beim FC Bayern wollte er ganz groß rauskommen.
Trainer Magath und Manager Hoeneß wollen Deisler noch Zeit geben. Magath: „Deisler muss Geduld haben, das Umfeld muss Geduld haben – ich habe Geduld.“
Die Frage ist: Wie lange noch? Deisler, zu einem möglichen Wechsel befragt: „Lasst mich in Ruh…“

