1. Startseite
  2. Verbraucher

Schwarz-Rot plant drastische Senkung der  Stromkosten  – auch für  Privathaushalte . Doch  Branchenvertreter  befürchten: Die Rechnung geht nicht auf.

München – „Dauerhaft niedrige und planbare, international wettbewerbsfähige  Energiekosten “ – dieses Ziel hat sich die neue schwarz-rote  Koalition  in ihrem Vertrag gesetzt. Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) plant konkrete Maßnahmen, um die  Strompreise  für Verbraucher und Unternehmen zu reduzieren. Eine aktuelle  Studie  des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) analysiert nun, wie effektiv diese Pläne sein könnten und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Erste Entlastung stehen kurz bevor: Merz-Regierung will Strompreispaket auf den Weg bringen

„Versorgungssicherheit,  Klimaschutz  und  Bezahlbarkeit  müssen wieder in ein ausgewogenes Dreieck zusammenkommen“, sagte  Wirtschaftsministerin  Katherina Reiche (CDU). Laut Ankündigung der Regierung sollen die ersten Entlastungsmaßnahmen noch vor der  Sommerpause  vom Bundeskabinett beschließen. Es gibt bereits einen konkreten Termin.

Die IW-Studie kommt zu dem Ergebnis: Bei Umsetzung der  Regierungspläne  könnten Verbraucher 5,5 Cent pro  Kilowattstunde (kWh)  einsparen, was erhebliche Auswirkungen auf die Haushaltsbudgets hätte. Für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh würde dies Einsparungen von etwa 220 Euro jährlich bedeuten.

Zu den konkreten Maßnahmen gehört vor allem die  Senkung der Stromsteuer  auf das europäische Mindestmaß. Wie das IW erläutert, liegt diese derzeit bei 2,05 Cent pro kWh für Verbraucherhaushalte und soll auf 0,1 Cent pro kWh reduziert werden. Darüber hinaus plant die Koalition die  Abschaffung  der OffshoreNetzumlage, KWK-Umlage sowie § 19 StromNEV-Umlage. „Viele Verbrauchergruppen würden diese Maßnahmen bereits deutlich entlasten“, stellt das IW fest.

Merz-Regierung will Strompreise senken – doch es gibt Bedenken

Darüber hinaus beabsichtigt die Merz-Regierung die  Entlastung  bei den  Netzentgelten . Wie das konkret aussehen soll, ist aber noch unklar. „Grundsätzlich geht die neue Regierung mit dem Strompreispaket einen Schritt in die richtige Richtung“, bilanziert das Institut. Die Analyse zeigt jedoch eine wesentliche Herausforderung auf: Obwohl die geplanten Maßnahmen eine spürbare Entlastung für Stromzahler versprechen, würde die  Finanzierung  dieser den Bundeshaushalt erheblich belasten. Das IW spricht von mehr als 20 Milliarden Euro. Die Kosten würden sich lediglich verschieben – und am Ende zahle der Steuerzahler.

Die neue Koalition will die Stromkosten für Verbraucher senken. © Elmar Gubisch/imago; Michael Kappeler/dpa

Für Studienautor und  Energieökonom  Thilo Schaefer steht daher fest: „Wir brauchen mehr erneuerbare  Energien , Speicher und regelbare Kraftwerke, aber auch das Ausbautempo muss zur Entwicklung der Nachfrage passen. Wenn das Zusammenspiel effizient gelingt und wir auf teure Lösungen wie  Erdkabel  wo immer möglich verzichten, gehen die Preise nachhaltig nach unten.“

Kritik an den Vorhaben kommt von  Stefan Dohler , Chef des Versorgers  EWE  und Präsident des  Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) . „Meine Sorge ist, dass zu wenig Geld für die nötigen  Infrastrukturmaßnahmen  übrig bleibt“, erklärte Dohler der taz. Sein Vorschlag: Gezieltere Unterstützung, statt alle zu entlasten. Derweil drängt die Merz-Regierung Rentner zu mehr Arbeit. (kas/dpa)



General News – 2