
Die Niners siegten auf dem Hardtberg mit 84:80 (46:45) – und revanchieren sich für die Rekord-Klatsche im Hinspiel (88:123). Doch freuen konnten sich die Chemnitzer nicht. Denn sie waren in Gedanken bei ihrem Mannschafts-Kameraden Aher Uguak (26), der sich schwer verletzte.
„Das Spiel heute geht an ihn“, sagte Nico Tischler (24) im Dyn-Interview. „Wir wussten, als er auf dem Boden lag, dass es was Ernstes ist, weil er eigentlich ein harter Typ ist, der immer wieder aufsteht. Jeder war mit Kopf irgendwie dort und wir haben so geht es geht versucht, das mit dem Kopf auszublenden.“
Das Drama um den Mann aus dem Südsudan: Uguak rennt im zweiten Viertel einen Konter, neben ihm der Bonner Rivaldo Soares (25). Doch statt kraftvoll hoch abzuspringen, kommt Uguak rgendwie nicht vom Boden weg und knallt voll auf Gesäß und Rücken. Die 2,01-Meter-Kante bleibt unter dem Korb liegen, hält sich das linke Knie und schreit vor Schmerzen!
Das Spiel läuft zunächst weiter. Erst nach dem Korb von Darius McGhee auf der Gegenseite unterbrechen die Schiedsrichter.
Stille unter den 6000 Fans im ausverkauften Telekom Dome.
BBL: Verletzungs-Drama um MVP: Niners Chemnitz stellen sich schützend um Aher Uguak
Sofort laufen Betreuer zu Uguak. Dann folgen Trainer Rodrigo Pastore und die Auswechsel-Spieler. Die gesamte Chemnitzer Mannschaft bildet einen Kreis um ihren Mannschaftskollegen – um ihn vor Blicken abzuschirmen und um ihre Unterstützung zu demonstrieren.
Nach bangen Minuten wird Uguak auf Pastore und einen Physio gestützt in die Kabine gebracht. Aufmunternder Applaus in der Halle.
Jeff Garrett (30) im Halbzeit-Interview bei Dyn: „Ganz ehrlich, ich war am Boden zerstört und durcheinander. Ich habe die Verletzung mit eigenen Augen gesehen, aber ich weiß nicht, wie schlimm es ist. Und ich hasse es, sowas zu sehen. Am meisten seinetwegen, weil er so viel arbeitet und in das Team steckt.“
Nach der Erstversorgung in der Halle wurde Uguak ins Krankenhaus gebracht.
Bester Spieler im Januar: Wählen Sie jetzt den BBL „MVP of the Month“
Der Center (13,8 Punkte, 3,6 Rebounds, 3,1 Assists pro Partie) ist der absolute Leistungsträger der Sachsen. Schon im November hatten ihn die BBL-Fans zum wertvollsten Spieler des Monats gewählt. Und auch bei der Abstimmung im Januar liegt er in der Spitzengruppe. Eine erneute Wahl wäre zumindest ein kleiner Trost.
Die Telekom Baskets Bonn rutschten dagegen immer tiefer in die Krise. Die verpatzte Heim-Premiere ihres neuen Chef-Trainers Marko Stankovic (40) war schon die sechste Pflichtspielpleite in Serie.
Im Hinspiel hatte Darius McGhee (25) mit 12 verwandelten Dreiern und 40 Punkten noch mehrere Rekorde gebrochen. Diesmal stellten ihn die Niners kalt. McGhee (15 Punkte) drehte erst in den letzten zwei Minuten auf – zu spät.

Top-Scorer der Partie wurde Victor Bailey Jr. (26) mit 18 Punkten.
Am Ende eines extrem emotionalen Nachmittags sorgte dann Tischler für den schönsten Herz-Moment. Am Ende seines Interviews mit Dyn-Moderator Johannes Hülstrung wandte er sich zuckersüß an seine Freundin: „Ich muss noch schöne Grüße an meine Freundin ausrichten. Wir haben Jahrestag. Schöne Grüße, Dinah, ich liebe Dich. Danke, danke für alles.“

