
Die Euphorie in Barcelona war praktisch grenzenlos. Am 26. Oktober gewann Barça den Clásico bei Real Madrid mit 4:0, es war der zehnte Sieg im elften Liga-Spiel, der Vorsprung auf die Königlichen betrug sechs, auf Atlético sogar zehn Punkte. Der Baumeister der Überflieger: Trainer Hansi Flick, dessen Verpflichtung einige Bedenken hervorgerufen hatte, doch mit diesem historischen Saisonstart hatte er seine Kritiker endgültig ruhig gestellt.
Endgültig? Knapp zwei Monate später ist alles anders …
Nach der 1:2-Heimpleite gegen Atlético schrillen die Alarmglocken. Aus den letzten sieben Liga-Spielen holten die Katalanen nur noch fünf Punkte. Die souveräne Tabellenführung? Hergeschenkt. Barça liegt drei Punkte hinter Atlético und zwei hinter Real – und beide Madrider Teams haben sogar noch ein Spiel weniger ausgetragen.
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Die katalanische „Mundo Deportivo“ rechnet vor: „Insgesamt hat der deutsche Trainer fünf der 19 LaLiga-Spiele verloren (…) – ein Prozentsatz, der die Niederlagen-Quoten von Xavi, Koeman und Quique Setién während ihrer Zeit auf der Trainerbank übertrifft.“ Xabvi habe „in der letzten Saison von 38 Spielen nur fünf verloren, genauso viele wie Flick in der Hälfte der Spiele. Xavi hat – von November 2021 bis Juni 2024 – 15 Prozent der Heimspiele verloren, Quique Setién (2019-20) 16 Prozent und Ronald Koeman (2020-22) 21 Prozent. Flick hat noch die zweite Hälfte der Saison vor sich, um seine LaLiga-Zahlen zu verbessern.“
Was sind die Gründe für die Barça-Krise unter Flick?
Fehlende Effizienz:[–> „Es war kurioserweise das beste Spiel, das Barça in dieser katastrophalen Spielzeit absolviert hat“, schrieb die „Mundo Deportivo“ nach dem 1:2 gegen Atlético. Der FC Barcelona war insbesondere in der ersten Halbzeit haushoch überlegen, mehr als die 1:0-Führung durch Pedri sprang dabei aber nicht heraus. Der Ausgleich durch De Paul (60.) kam aus dem Nichts, der Siegtreffer des Ex-Leipzigers Sörloth (90.) stellte den Spielverlauf dann vollends auf den Kopf. Barcelona verzeichnete am Ende 19:5 Schüsse und einen Expected-Goals-Wert von 2,53 zu 0,63.
Der Brasilianer Raphinha entschuldigte sich nach der Partie, sagte: „Ich übernehme die Verantwortung für die heutige Niederlage. Ich habe ein Tor verpasst, und fünf Minuten später haben sie den Ausgleich erzielt, und dann habe ich einen Fehlpass gespielt, der zu ihrem zweiten Tor führte. Ich übernehme die volle Verantwortung für die heutige Niederlage.“
Lewandowski-Krise: [–>Ex-Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (36) legte einen furiosen Saisonstart hin, traf in den ersten elf Liga-Spielen 14-mal. Zuletzt allerdings hatte auch der Pole Ladehemmung, In seinen letzten sieben Einsätzen standen lediglich noch zwei Tore zu Buche.
Unerfahrenheit und Verunsicherung:[–> Flick vertraut einer sehr jungen Mannschaft. Bei Real ließ er die jüngste Startelf in einem Clásico aller Zeiten ran – und wurde belohnt. In Zeiten, in denen es allerdings nicht läuft, sind junge Spieler schneller verunsichert. Das zeigte sich insbesondere in dem „Scheiß-November“ (Flick), als Barça sieglos gegen Real Sociedad (0:1), Celta Vigo (2:2) und Las Palmas (1:2) blieb sowie in den Partien gegen Betis (2:2), Leganés (0:1) und Atlético (1:2).
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Ausfall der Nummer 1:[–> Obwohl Barcelona nicht auf übermäßig viele Spieler verzichten muss, so wiegt der Ausfall Keeper und Kapitän Marc-André ter Stegen natürlich schwer, als jahrelanger Rückhalt des Teams, aber auch als Führungsspieler und Wortführer – gerade in schwierigen Saisonphasen.
Olímpic Lluís Companys statt Camp Nou:[–> Weil das legendäre Camp Nou nach wie vor saniert und teilweise neu aufgebaut wird, spielt Barça seine Heimspiele noch immer im deutlich kleineren und Atmosphäre-ärmeren Olímpic Lluís Companys aus. Alles andere als eine Festung. Nach der Pleite gegen Atlético sagte Flick: „Zuhause neun Punkte herzugeben ist für mich nicht normal.“ Besonders die Niederlagen gegen Las Palmas und Leganes schmerzten sehr.


